Amerika hat Trump und Österreich Van der Bellen, JJK

Der Unterschied? Trump hat kein „Gepäck!“


Von Jahn J Kassl


Gleichwohl was Henry Kissinger (©„Das Illegale tun wir sofort. Das Verfassungswidrige dauert etwas länger.“ ©„Globalisierung ist nur ein anderes Wort für US-Herrschaft.“) für die Menschen ist, ob Elder Statesman von internationalem Format oder Kriegsverbrecher und die Personifizierung des US-amerikanischen Übels schlechthin, sein Einfluss auf die große Politik ist ungebrochen. Umso bemerkenswerter ist, was Kissinger in Bezug auf den neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump sagte: „Dieser gewählte Präsident ist der einzigartigste den ich je, was einen Aspekt betrifft, erlebt habe … er hat kein Gepäck!“ (1)

„Kein Gepäck“, heißt, Trump ist kaum jemanden verpflichtet. Auch nicht, und darauf kommt es aus meiner Sicht an, dem Militärisch-industriellen Komplex mit den Neokons in Washington und an der Wall Street. Diese Tatsache könnte sich als großer Segen für uns alle herausstellen. Donald Trump ist wohl der unabhängigste US-Präsident seit langem. Unkonventionelle und überraschende Entscheidungen, die das bisherige Establishment weder beeinflussen noch kontrollieren kann, könnten die Folge sein. Denn Trump kann, wie selten ein US-Präsident zuvor, seine Ideen relativ frei und positiv entwickeln. Dies ist Kissinger natürlich nicht entgangen und schon signalisierte der, wegen Beteiligung an Verbrechen, die durch die faschistische Pinochet-Diktatur in Chile (1973-1990) begangen wurden, von Frankreich und Spanien international zur Verhaftung ausgeschriebene, sein Interesse an der Zusammenarbeit mit Trump. (Kissinger wird beschuldigt, an der Tötung von spanischen und französischen Staatsbürgern involviert zu sein.)
„Wenn er mich fragt, bin ich bereit“ (2), sagte der 93-Jährige.

Kissingers Wirken in der Weltpolitik ist bluttriefend, ist mit Terror, Regierungsumstürzen, Mord und Totschlag gepflastert. Längst ist der eloquente Geostratege ein Fall fürs Gericht. Das ist überfällig! Die Welt aber, die läuft verkehrt, denn unsere Gefängnisse sind voller „unbedeutender Diebe“: „Ziviler Ungehorsam ist nicht unser Problem. Unser Problem ist ziviler Gehorsam. Unser Problem ist, dass Unzahlen von Menschen aus aller Welt den Diktaten der Anführer ihrer Regierungen gehorcht haben und in den Krieg gezogen sind – und Millionen sind aufgrund dieses Gehorsams ermordet worden. Unser Problem ist, dass Menschen aus aller Welt angesichts Armut und Hunger, Grausamkeit, Dummheit und Krieg gehorchen. Unser Problem ist, dass Menschen gehorchen, während die Gefängnisse voller unbedeutender Diebe sind, während die ganz großen Diebe die Gesellschaft anführen und ausrauben. DAS ist unser Problem.“ Howard Zinn 1922-2010 (…war ein einflussreicher US-amerikanischer Historiker, Politikwissenschaftler und emeritierter Universitätsprofessor der Boston University. Den Schwerpunkt seiner Geschichtsforschung bildeten die Bürgerrechts- und Friedensbewegungen. Wikipedia)

Nur deshalb ist es möglich, dass der Wahlhelfer von Hillary Clinton, das Lager kurzerhand wechseln und seine Dienste Donald Trump anbieten kann. Seltsam ist nur, dass Kissinger nicht zu bemerken scheint, welches „Gepäck“ er selbst für Donald Trump darstellen würde. Oder ist das gar seine Intention, um Trump zu schwächen? Es darf spekuliert werden. Fest steht jedenfalls: Mehr „Gepäck“ als Kissinger geht nicht! Trump ist aus meiner Sicht gut beraten, auf die Expertise des kalten wie heißen Kriegers zu verzichten und neben der Inhaftierung Clintons auch die Verhaftung Kissingers in Erwägung zu ziehen. Wir werden sehen, was Trump wirklich zuwege bringt, was er wagt und wie er sich – mit oder ohne Kissinger – positioniert.

Schwenk nach Österreich


Wenn ich nun anhand Kissingers Feststellung Richtung Trump nach Österreich schwenke und an das „Gepäck“ unseres „einzigartigsten“ Alexander Van der Bellen, dem neu gewählten Bundespräsidenten, denke, dann wird mir bang.
VdB zieht, im krassen Gegensatz zu seinem US-Kollegen, mit nahezu dem vollständigen gesellschaftlichen Establishment der Republik in die Hofburg ein. Das heißt, in dem Maße, wie von Donald Trump Unabhängigkeit erwartet und Neues erhofft werden darf, wird mit Van der Bellen das alte politische System, in dem langjährige Seilschaften voneinander abhängen, einzementiert. Einmal mehr haben es sich die Eliten gerichtet und sie bleiben unter sich. Demokratie als Feigenblatt und das das Volk als Störfaktor!? Wir werden es erleben.

Spannend bleibt nur, auf welche Art und Weise sich VdB bei jenen, die ihn ins Amt hievten, erkenntlich zeigen wird. Wie wird er sein „Gepäck“ tragen oder wird er – was ihm kaum zuzutrauen ist – sogar manche Lemuren abwerfen? Klar ist: Noch ehe VdB in die Hofburg übersiedelt, ist sein Amt schon beschädigt! Denn die flächendeckende Parteinahme der Eliten wirft lange Schatten über die Präsidentschaftskanzlei. Oder waren Haselsteiner, Griss, Mitterlehner und Co uneigennützige Wahlhelfer, die sich keinerlei Gegenleistung erwarten? Und der ORF? Nun, der Staatsfunk forderte nur einen Tag nach der Wahl dreist eine Gebührenerhöhung. Die ersten Geschenke werden in vorweihnachtlicher Lichtgeschwindigkeit unter den Wahlhelfern verteilt. Und VdB? Ist da jemand?

Nach einer fast einjährigen ORF-Propagandaschlacht zu Lasten von Norbert Hofer, denkt VdB natürlich nicht einmal im Traum daran die Hand, die ihn füttert, zu beißen. Mit Norbert Hofer als Bundespräsident, hätte sich der zwangsgebührenfinanzierte Saatsfunk eine weitere Gebührenerhöhung wahrscheinlich zweimal überlegt und, allein wegen der schiefen Optik, mit einem Vorstoß zumindest noch ein paar Tage zugewartet. Unter VdB jedoch herrschen die idealen Bedingungen für dieses Vorgehen. In Zukunft werden neben dem ORF ganz bestimmt auch andere Institutionen oder Personen dem Bundespräsidenten ihre Rechnung präsentieren. Warum soll sich irgendwer zurückhalten, wenn zum Ausverkauf der Republik geblasen wird? Der übermäßig phlegmatische und künstlich gepuschte Bundespräsident ist geradezu eine Einladung dafür.

Hans Curt Flemming (Mikrobiologe und Dichter) schrieb: „Es gibt viele Gründe, alles beim Alten zu lassen und nur einen einzigen, doch etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus!“ Und aller Voraussicht nach werden wir uns wundern, wie schnell immer mehr Österreicher dieser Schwelle jetzt näher kommen.

Resümee: Amerika hat mit Trump eine Chance zum Wandel erhalten und Österreich mit Van der Bellen eine Gelegenheit zur Erneuerung vertan. Dennoch gilt es abzuwarten, inwiefern beide Präsidenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, in der politischen Wirklichkeit ankommen und was dies bei den Menschen auslöst. Wir dürfen gespannt sein.

Jahn J Kassl

 

Quellen (1), (2): >>> Alles Schall und Rauch >>> Kurier

>>> BP-Wahl in Österreich: Van der Bellen siegt! – JJK


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